Kinder brauchen Beständigkeit und Sicherheit

Die meisten Kinder in Südafrika sind unvorstellbaren Bedingungen von Armut und Gewalt ausgeliefert. Einer der wenigen Plätze, welches einem südafrikanischen Kind Beständigkeit und Sicherheit vermittelt, ist eine gut geführte Schule. Eine Schule ist von ihrer Natur her eine langfristige Initiative. Deshalb braucht sie auch langfristiges Engagement und finanzielle Unterstützung von außen.

Vor diesem Hintergrund erfüllt es uns mit großer Freude, dass iThemba Labantu in diesem Newsletter von der neuen Grundschule berichten kann. Octavius, der Schulleiter gibt Einblick und lässt die Kinder sprechen. Dazu führte Regina Hauser ein Interview mit ihm. 

Octavius, kannst Du uns etwas zur Geschichte von iThemba Labantu erzählen? Warum wurde die Schule gebaut? Was ist die Intention dahinter?

Die iThemba Labantu Grundschule hat ihre Wurzeln in der Vorschule der Gemeinde, welche 2009 gegründet wurde. Wenn die Kinder die Vorschule beenden, erhalten die Familien Unterstützung, damit sie für ihr Kind eine Grundschule in der Gegend finden. Das Center ermöglicht in Zusammenarbeit mit dem Verein den Transport für den Hin- und Rückweg der Kinder zu diesen Schulen, und stellt außerdem eine Betreuung nach der Schule sicher, wenn die Kinder mit dem Bus nachmittags zurückkommen. Die Mitarbeiter von iThemba Labantu hatten somit die Möglichkeit zu beobachten, wie sich die früheren Vorschulkinder im Laufe ihrer Grundschuljahre entwickelten. Sie stellten fest, dass die Qualität der Schulbildung, die diese Kinder erhielten, auf einem niedrigen Niveau war. Auch wenn die Grundschulen in der direkten Umgebung von Philippi und Lentegeur in manchen Aspekten durchaus beeindruckend sind, haben sie nicht die Kapazität, Zeit und Ressourcen, um nach dem individuellen Bedarf der Kinder zu unterrichten. Wir haben festgestellt, dass zu viele Kinder, die unser Center nutzen, schlechte Sprach-, Lese- und Schreibfähigkeiten, sowie auch ungenügende Kenntnisse im Rechnen haben.

Als der Zeitpunkt gekommen war, das HIV/TB Krankenhaus von iThemba Labantu zu schließen, war dies aus Sicht des Vorstands und der Geschäftsführung gleichzeitig auch die Chance, an diesem Platz eine Grundschule zu gründen. Dies würde den Vorschulkindern von iThemba Labantu einen weiterführenden Grundschulplatz sicherstellen, mit Restplätzen für Kinder, die sich aus der weiteren Gemeinde bewerben können. Die Schule soll für Familien aus der Umgebung finanzierbar sein, und hat zum Ziel, den höchstmöglichen Standard an Unterricht, Material und Ressourcen zu gewährleisten. 

Was ist aus Deiner Sicht der Kern der Philosophie der neuen Grundschule, und wie gelingt es Dir und den Mitarbeitern von iThemba Labantu, diese mit Leben zu füllen?

In meinen Augen muss die Philosophie der Schule eine Philosophie sein, die auf Beziehungen aufbaut. Der Aufbau einer Schule ist die Anstrengung eines ganzen Teams. Es bedarf der Teamarbeit der Lernenden, der Eltern, der Lehrer, des unterstützenden Personals, der Geldgeber und aller Partner. Ein Ansatz, der Beziehungen in den Mittelpunkt stellt und jeden Beteiligten einbezieht, baut für den Erfolg des Projektes auf das Vertrauen und den persönlichen Einsatz jedes Einzelnen. Unsere Philosophie muss es ein, die Idee von Partnerschaft zu stärken und die Schule als ein Team zu entwickeln. Wir können dieses Ziel durch regelmäßige Treffen mit Personal und Eltern, durch Veranstaltungen wie z.B. ein Tag der offenen Tür, sowie durch klare und freundliche Kommunikationswege pflegen.

 

Wie würdest Du den aktuellen Stand der Schule beschreiben, und was ist das Resümee Deiner ersten Erfahrungen?

Die Schule ist immer noch in der Entwicklungsphase. Die erste Gruppe von Schülern nähert sich dem Abschluss der ersten Schulklasse. Nächstes Jahr wird diese Gruppe in die zweite Klasse kommen, und wir werden eine neue Gruppe der Vorschulkinder in die erste Klasse aufnehmen.

Einige Aspekte des akademischen Programms werden wir weiterhin kontinuierlich prüfen, wie zum Beispiel das Singapur Mathe System, welches als Alternative zu dem von der Regierung vorgegebenen System, Mathematik zu lehren, eingeführt wurde (Singapur Mathe ist ein exzellentes System, aber es ist sehr technisch und erfordert ein hohes Niveau in der Fähigkeit zu unterrichten). Mit der Ankunft von mehr Lehrern werden wir einige Optimierungen- und Anpassungen in den Lehransätzen, Lehrinhalten, den bevorzugten Lehrmaterialien, Text- und Arbeitsbüchern vornehmen.

Die Schule wurde erfolgreich innerhalb der ISASA registriert, der unabhängigen Vereinigung südafrikanischer Schulen (Independent Schools Association of South Africa). Das ist die größte Vereinigung unabhängiger Schulen in Südafrika. Sie bietet den Schulen Unterstützung in allen Bereichen von Bildungsmanagement wie z.B. in der Verwaltung, in den arbeitsrechtlichen Prozessen und in der Qualitätssicherung.

In 2018 muss die Schule einen Antrag auf Zuschuss seitens des Western Cape Education Departments stellen. Eine solide Subvention durch Fördermittel sicherzustellen, stärkt auch die finanzielle Sicherheit der Schule. Der Bewerbungsprozess für Fördermittel kann jedoch erst 18 Monate nach dem Start der Schule erfolgen.

Würdest Du uns etwas über Dich persönlich erzählen, Deine Rolle, Deine Arbeit und Deine Motivation, Dich für die Schule von iThemba Labantu einzubringen?

Ich bin ein besorgter Bürger von Südafrika, und meinen beruflichen Weg habe ich aufgrund meiner eigenen Betroffenheit gewählt. Das Land hat viele Herausforderungen zu bewältigen, und es ist schwer für mich vorstellbar, in einem Job zu arbeiten, der sich nicht direkt um diese Herausforderungen annimmt.

Ich habe mehrere Jahre im Arbeitsministerium gearbeitet, bevor ich in den Bereich der Bildung gewechselt habe. Ich begann in 2008 an einer Mittelklasse High-School (St. George’s Grammar School), Englisch und Geschichte zu unterrichten. Die Schule hatte fortschrittliche Werte und schuf für die Kinder eine geeignete Umgebung, sich zu entfalten. Zur Zeit meiner dortigen Lehrtätigkeit habe ich auch viel Fußball gespielt und bin so mit einem Team aus Philippi in Kontakt gekommen. Ich habe das Team als Vorstand unterstützt und die Sponsoring Kampagnen geleitet. Ich bin viel mit den Herausforderungen der jungen Spieler in Berührung gekommen, vor Allem auch beim Übergang von der High-School zu den Anforderungen des Erwachsenen Daseins in einer harten Umgebung. So gut ich konnte, habe ich den jungen Menschen bei der Job-Suche und der Karriere Planung geholfen, und auch in ganz persönlichen Themen wie Fragen der Vaterschaft oder der Frage, wie man sich in sexuellen Beziehungen schützen kann.

 

Was sind die hauptsächlichen Herausforderungen, mit denen Du derzeit umgehen musst?  

Als High-School Lehrer habe ich gegen die Vorstellung angekämpft, man müsste Schüler der Klasse 1 in einer perfekten Art und Weise unterrichten, und es ist mir gelungen, mich für diese Klassenstufe einem offenen und sichtbaren Beurteilungsmaßstab zu widersetzen.

Als Schulleiter, der gleichzeitig auch Klassenlehrer ist, musste ich lernen (und das muss ich bis heute noch!), wie mir eine gute Balance gelingt zwischen Zeitmanagement und Management der Klassendisziplin einerseits und Stundenplanung, Material- und Vorratsbestellung, Auslegung der Bildungsinhalte und Sicherstellen eines kreativen Unterrichts andererseits.

Eine zusätzliche Herausforderung ist das Unterrichten von Schülern in deren Zweitsprache. Da Xhosa die Muttersprache der Schüler und Schülerinnen ist, fühlen diese sich gegenüber Muttersprachlern benachteiligt, wenn der Unterricht in Englisch stattfindet. Mit der Zeit, und mit einer angemessenen Form des Sprachwechsels im Unterricht (dank Lulekhas Hilfe), wird der Nachteil allmählich kleiner.

Warum ist es aus Deiner Sicht so wichtig, die Schulinitiative mit Blick auf eine langfristige, nachhaltige Entwicklung der Kinder zu unterstützen? 

Die meisten Kinder in Südafrika sind unvorstellbaren Bedingungen von Armut und Gewalt ausgeliefert. Einer der wenigen Plätze, welches einem durchschnittlichen südafrikanischen Kind Beständigkeit und Sicherheit vermittelt, ist eine gut geführte Schule. Eine Schule ist von ihrer Natur her eine langfristige Initiative. Sie zeigt ihre Wirkung in der Entwicklung der Kinder im Verlauf der Zeit. Es ist deshalb extrem wichtig, die Schule als ein langfristiges Projekt zu betrachten und Fragen der Verwaltung, der Investition und der Partnerschaften mit einem klaren Blick auf die Nachhaltigkeit zu beantworten. Deshalb braucht sie auch langfristiges Engagement und finanzielle Unterstützung von außen. Das Projekt, eine Schule zu leiten, insbesondere in einer armen Gegend, die das Risiko von psychosozialen Unsicherheiten trägt, muss auf dem Fundament von Langlebigkeit gebaut werden.

Was sagen denn die Kinder selbst dazu? Was bedeutet Schule für sie? Was gefällt ihnen am besten?  

Hören Sie doch mal rein in die Stimmen der Kinder, was sie selbst erzählen …

“Wie gefällt Dir die iThemba Labantu Grundschule?”

„Fantastisch!” „Warum?“ „Weil ich so viel lerne.” “Was lernst Du denn so Alles?“ “Afrikaans, Xhosa und Englisch, und ich lerne, Bücher zu lesen.“

“Was gefällt Dir am besten?” “Mathe! Mir gefällt das Zählen.”

“Mir gefällt Kunst. Ich liebe die öffentlichen Veranstaltungen, dafür haben wir sogar Puppen gebastelt.”

„Mir gefallen die Ballspiele.“

„Mir gefällt die iThemba Labantu Grundschule, weil ich hier meine Freunde habe.“

Bitte unterstützen Sie uns mit Ihrer Spende, damit diese Kinder weiterhin unbeschwert zur Schule gehen können, um sich mit Zuversicht auf ihr Leben in Selbstbestimmung und Unabhängigkeit vorzubereiten!

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